Kristiane Semar

Kristiane Semar erfindet Geschichten über nicht gerade alltägliche Menschen.

Porträt Kristiane Semar

Kristiane Semar

„Zeichnen bereitet mir unsägliches und schier unerschöpfliches Vergnügen. Das subtile Zusammenspiel der Linien, das sich Verdichten, Vibrieren der sorgfältig gesetzten Striche, das plötzliche Erscheinen eines bestimmten Ausdrucks, die erregende Schönheit der Farben, die Möglichkeit, alles auf den Kopf zu stellen, frei zu fabulieren, sich nicht verheddernd, sich nicht aufhaltend, und die Empfindung, die frei in den Duktus der Linie, den Rhythmus der Muster fließt. Zeichnend zu erzählen erfordert intellektuelle Unbefangenheit und Selbstvertrauen, Ruhe und konzentrierte Anspannung gleichermaßen.
 
Die Figuren, die dargestellt und besprochen werden,  sind mir meist tatsächlich begegnet. Das Aufzeichnen dieser mentalen Snapshots ist daher oft auch eine fiktive Zwiesprache und das Bannen einer bisweilen höchst skurrilen Realität.“

Kristiane Semar wurde 1963 in eine Familie von Juristen und Ärzten hineingeboren, brach jedoch gewissermaßen mit der Familientradition, indem sie sich für die ungesicherte Laufbahn als Künstlerin entschied. Als Kind lebte sie mit der umherziehenden Familie jeweils einige Jahre in Freiburg, dann im schottischen Edinburgh, auch in Champaign, einer amerikanischen Universitätsstadt in Illinois in den USA, darauf in Köln und im badischen Oberkirch, und schließlich in Salzburg, wo sie am Privatgymnasium der Ursulinen ihr Abitur ablegte.

Nach einem Ausflug ins Fach Kunstgeschichte an der Uni Salzburg schloss sie das Studium Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule Mozarteum in Salzburg mit einem Magister Artium ab. Ein weiteres Diplom in Visueller Kommunikation ließ sie die Lust am Zeichnen und Illustrieren entdecken. An der University of Ulster in Belfast lehrte sie Prof. David Barker alle Geheimnisse der Druckgrafik und unterstütze die Arbeit an einem großformatigen Künstlerbuch Gilgamesch – die Weltränder im Auge mit Text und 26 Radierungen. Sie reiste nach Beijing und Xian in China und erlernte dort die traditionelle Technik des asiatischen Holzschnitts auf Reispapier. Während einer dreimonatigen Indienreise entstand unter dem Eindruck der fremden Welt neben einem Fotojournal ein handgezeichnetes Logbuch. Eine Artist-in-Residency am Seacourt Print Workshop im nordirischen Bangor bildete den fruchtbaren Schlusspunkt der Lehrzeit.

Heute lebt und arbeitet Kristiane Semar mit Mann, Tochter Amelie und einer grauen Britisch-Kurzhaar-Katze namens Bumbum in München. Als Creative Producer produziert sie für Verlage Kindermedien: Hörspiele, Bücher und Filme. 1989 gründete sie mit Künstlerfreunden die Dreipunkt Edition, um sich für eine Renaissance der Druckgrafik einzusetzen. Seit 1989 stellt die Gruppe in ganz Europa aus, und beteiligte sich beispielsweise an Shows in der Saatchi Gallery und der Royal Academy of Arts in London.

Sie ist bekannt für ihre Zeichnungen von Köpfen und Personen, die eher ein wenig auf der verrückten Seite des Lebens dahinwandeln.
Am glücklichsten ist sie im Atelier, wenn sie Monotypien zeichnen darf, subtil gezeichnete Unikate auf Japanpapier, die sie gerne mit Collage- oder Aquarelltechnik kombiniert.